Burg Gruttenstein

Generalsanierung

Bauherr / Maßnahmenträger
Privat
Zeitraum 2015-2020
LEISTUNGSPHASEN LPH 0-8

Gneralsanierung

Objekt
BURG GRUTTENSTEIN

Die vermutlich noch im 12. Jahrhundert errichtete Burg diente dem Schutz der Saline. Um 1230 wurde sie in den Befestigungsgürtel der Stadt integriert. Ab dem ausgehenden 13. Jahrhundert war sie Sitz des herzoglich-bayerischen Pflegbeamten und Wohngebäude.

Ein umfangreicherer Ausbau konnte in das Jahr 1344(d) datiert werden. Aus dieser Zeit erhalten waren: in der Wand aufliegende Unterzüge einer ehemaligen Holzbalkendecke, Reste einer Bohlenwand, Scharten mit hölzernem Sturz und in der Wandstärke aufliegende Holzbalken eines ehemaligen Wehrgangs.

Um die Mitte des 16. Jahrhunderts erfolgte ein weiterer Ausbau zum Renaissanceschloss. Von diesem hochwertigen Ausbau blieb die Bohlenbalckendecke [nach 1550(d)] über dem Saal im 2. Obergeschosses erhalten. Darüber hinaus sind mehrere Tür- und Fenstergewände aus dieser Zeit in situ erhalten. Weitere Werksteine aus Untersberger Marmor, heute als Spolien verbaut, zeugen noch von der ehemals reiche Ausstattung zur Renaissance.

Seit dem beginnenden 18. Jahrhundert diente die Burg dem Militär, später der Saline und nach 1945 den aus dem Krieg heimgekehrten als Wohnung. Dies hatte zur Folge, dass die ehemals großen Räume der Burg immer mehr unterteilt und viele (Wohnhaus)Fenster in das Bruchsteinmauerwerk eingebrochen wurden. Es entstanden kleine Wohneinheiten, meist mit Küche und Bad. Die ehemals großzügigen Räume, die die Burg geprägt hatten, waren kaum noch zu erkennen; der Charakter, der eine Burg ausmacht, ging immer mehr verloren. In fast jedem Raum waren die Bodenbeläge und das Bodenniveau anders; viel Wände und Decken mit Dispersionsfarben überstrichen.

Maẞnahmen

Die Burg Gruttenstein ist in Privatbesitz und wird zum Teil öffentlich genutzt. Eine von uns durchgeführte Voruntersuchung hat folgende Ergebnisse gebracht:

In der Nordostecke des Gebäudes bestehen erhebliche statisch-konstruktive Probleme, die zum großen Teil auch auf bauliche Veränderungen zurück zu führen sind. In der Mitte des 16. Jahrhunderts wurden die ehemals flachen Decken durch Gewölbe ersetzt, die von oben her mit kleinteiligem Bauschutt gefüllt wurden. Dadurch vergrößerte sich der Horizontalschub auf die Außenmauern. Der Dachstuhl des 17. Jahrhunderts war mit Holzschindeln gedeckt, die im Zuge der Umbaumaßnahmen im Jahr 1910 durch deutlich schwerere Dachsteine ersetzt wurden. Dadurch wurde der Horizontalschub aus den Gewölben auf die Aussenmauern nochmals verstärkt.  Darüber hinaus zeigt der Dachstuhl Schädlingsbefall und Fäulnisschäden.

Zusammen mit dem Sanierungskonzept wurde auch ein neues Nutzungskonzept erarbeitet.

In verschiedenen Bauabschnitten werden nun der Dachstuhl und alle beschädigten Gebäudeteile saniert und die verschiedenen Änderungsmaßnahmen für das neue Nutzungskonzept durchgeführt:

Im ersten Bauabschnitt wurden das 1. und 2. Obergeschoss des östlichen Teils des Nordflügels und der Ostflügel instandgesetzt. Bevor 2011 mit den ersten Voruntersuchungen zur Instandsetzung begonnen wurde, waren die zwischen dem 18. und 20. Jahrhundert eingebauten Trennwände und Bäder zum großen Teil bereits wieder ausgebaut. Im Nordosten waren - durch massive Schäden am Mauerwerk und den Gewölben - bereits erste Notsicherungen erfolgt. Die in der Mitte des 17. Jahrhunderts eingebauten Backsteingewölbe zeigten massiv Schäden. Die Bruchsteinwände hatten sich geneigt und es waren breite Risse vorhanden. Die Bohlenbalkendecke über dem Saal hatte starke Holzschäden und konnte nur mit hohem Aufwand erhalten werden.
Um die Bohlenbalkendecke erhalten zu können wurde im Dachstuhl eine neue, tragende Holzbalkendecke eingebracht und die bestehende Decke an dieser so aufgehängt, dass sie keine Lasten mehr aufnehmen musste. Nur so war es möglich die Decke zu erhalten und somit auch den Saal aus der Mitte des 17. Jahrhunderts wieder erlebbar zu machen.
Auf den stark verformten Backsteingewölben war im laufe der Jahrhunderte sehr viel Bauschutt aufgebracht worden. Im Rahmen der Instandsetzung mussten die Gewölbe entschuttet und damit entlastet werden. Im östlichen Teil des Saals wurde über dem Gewölbe eine Flachdecke mit Stahlträgern eingebaut, so dass das Gewölbe keine Lasten mehr aufnehmen muss. Im westlichen Teil war es ausreichend mit leichtem Material aufzufüllen und einen neuen Boden einzubauen.
Besondere Aufmerksamkeit galt den Oberflächen der Räume. Einerseits sollten die Spuren der zurückgebauten Trennwände und der wieder geschlossenen Wunden im Mauerwerk erkennbar bleiben, auf der anderen Seite galt es die erhaltenen Oberflächen so zusammen zu führen, dass die einzelnen Räume wieder als Einheit wirken können. Die heute sichbaren Oberflächen bei Decken, Wänden und Dielenböden reichen vom 14. Jahrhundert bis in das beginnende 20. Jahrhundert. Die wechselvolle Geschichte der Burg ist somit ablesbar geblieben und doch wirken die einzelnen Räume wieder als Gesamtheit.