Kulturhaus in Unterneukirchen

Generalsanierung und Umnutzung

Bauherr / Maßnahmenträger
Verwaltungsgemeinschaft Unterneukirchen
Zeitraum 2012-2015
LEISTUNGSPHASEN LPH 0-8

Generalsanierung

Kulturhaus
Unterneurichen

Zusammenfassung der Baugeschichte:

Das ehemalige Schul- und Pfarrhaus in Unterneukirchen ist ein zweigeschossiger, langgestreckter Halbwalmdachbau mit vier zu zehn Achsen und zählt zu den ältesten erhaltenen Schulgebäuden in Bayern. Der ortsbildprägende Putzbau entstand zwischen 1807 und 1812 im Zuge der Neuordnung der Pfarreien nach der Säkularisation. Die charakteristische Fassadengliederung mit Eckrustika, Horizontalgesimsen und Faschen nimmt dabei Elemente der barocken Formensprache auf.

Das Gebäude war von Anfang an in zwei eigenständig erschlossene Bereiche gegliedert. Der östliche Gebäudeteil diente bis 1938 als Pfarrhaus, während der westliche Teil als Schulhaus mit Lehrerwohnung genutzt wurde. Für den Bau wurden Abbruchmaterialien der 1805 im Zuge der Säkularisation abgebrochenen Kirche St. Georgen bei Altötting wiederverwendet. Zum Einsatz kamen unter anderem Ziegel, Holz, Schindeln und Tuffsteinquader. Nach dem Neubau eines Schulhauses im Jahr 1883 wurde der Schulbetrieb teilweise verlagert. 1937 erwarb die Gemeinde Unterneukirchen das Gebäude; der ehemalige Pfarrbereich wurde zunächst für die Gemeindeverwaltung genutzt, während der ehemalige Schulbereich bis in die 1950er Jahre als Altenheim diente.

Maßnahmen:

Nach ersten Instandsetzungsarbeiten im Obergeschoss in den Jahren 2004/2005 wurde ab 2010/2011 eine umfassende Bestands- und Voruntersuchung durchgeführt. Ziel der anschließenden Sanierung war es, die historische Bausubstanz weitgehend zu erhalten und gleichzeitig eine zeitgemäße Nutzung als Kultur- und Bürgerzentrum zu ermöglichen.

Im Zuge der Maßnahme wurden zunächst die historischen Türen ausgebaut, gesichert und eingelagert. Türstöcke, Treppen und die Böden des Obergeschosses wurden während der Bauarbeiten umfangreich geschützt. Im Erdgeschoss wurden die bestehenden Bodenaufbauten und Innenwandputze entfernt. Die Außen- und Innenwände wurden abschnittsweise unterfangen und mit neuen Betonfundamenten versehen. Nach dem Einbau einer kapillarbrechenden Schicht und einer Schwarzabdichtung wurde eine neue Bodenplatte hergestellt, auf der die technische Gebäudeausrüstung und die Verteilung für das Obergeschoss installiert werden konnten. Das Erdgeschoss erhielt eine Fußbodenheizung.

Besonderes Augenmerk lag auf dem Umgang mit den durch Feuchtigkeit und hohe Salzbelastung geschädigten Wandflächen. Nach der Herstellung verschiedener Putzmuster wurde in Abstimmung mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege ein Sanierputzsystem mit abschließender Kalkputzschicht gewählt. Die Oberflächen erhielten anschließend einen freskalen Kalkanstrich. Auch die Fassaden wurden behutsam instandgesetzt. Während der gut erhaltene Oberputz in den oberen Bereichen weitgehend bewahrt werden konnte, wurde der geschädigte Putz im Erdgeschoss bis zur Unterkante der Fensterstürze abgenommen und durch einen Salzspeicherputz ersetzt. Den Abschluss bildete eine neue Kalkfassung.

Der Dachstuhl wurde zimmermannsmäßig instandgesetzt, die Traufpunkte wurden erneuert und das Dach mit Biberschwanzziegeln neu gedeckt. Der nicht für eine Nutzung vorgesehene Dachraum wurde so ausgebildet, dass eine ausreichende Durchlüftung gewährleistet ist.

Ein weiterer Schwerpunkt der Sanierung war der heterogene historische Fensterbestand. Ziel war es, das Erscheinungsbild der Fenster wieder zusammenzuführen und gleichzeitig möglichst viel Originalsubstanz zu erhalten. Später zugesetzte Fensteröffnungen wurden wieder geöffnet und mit neuen Kastenfenstern ausgestattet. Die in den 1950er Jahren eingebauten Wagnerfenster wurden ebenfalls durch neue Kastenfenster nach historischem Vorbild ersetzt. Die erhaltenen Fenster konnten vor Ort instandgesetzt werden. Sämtliche Fenster erhielten einen Anstrich mit Leinöl sowie neue Fensterläden. Die Farbfassungen orientieren sich an den Ergebnissen der restauratorischen Befunduntersuchungen.

Im Inneren wurden die historischen Holzböden des Obergeschosses restauriert und teilweise ergänzt. Je nach Erhaltungszustand wurden sie gestrichen oder lediglich eingelaugt. Die Innentüren erhielten ebenfalls einen Leinölanstrich. Die Wände wurden im Obergeschoss mit modifizierter Kalkfarbe und im Erdgeschoss in freskaler Kalktechnik gefasst. Die beiden historischen Treppen wurden holzrestauratorisch überarbeitet und neu gefasst.

Auch bei der Gestaltung der Böden im Erdgeschoss wurde auf die historische Bausubstanz und die jeweilige Nutzung Rücksicht genommen. Die vorhandenen Betonplatten in den Fluren, die eine historische Solnhofner-Plattenoptik imitieren, wurden wiederverwendet und fehlende Elemente durch den Restaurator ergänzt. In den Räumen an den Stirnseiten des Gebäudes wurden Ziegelböden nach historischem Vorbild eingebaut. Für die Räume des Jugendrotkreuzes wurde ein Dielenboden gewählt, während die WC-Bereiche mit Fliesen in Solnhofner-Plattenoptik ausgestattet wurden.

Die technische Ausstattung wurde möglichst zurückhaltend in den Bestand integriert. Die Beleuchtung erfolgt teilweise über klassische Leuchten mit opaken Glaskugeln; im Ausstellungsbereich kamen Schienensysteme zum Einsatz, die die historische Substanz nur geringfügig beeinträchtigen. Auch Schalter und Steckdosen orientieren sich in ihrer Gestaltung an historischen Vorbildern. Ergänzend wurde das gesamte Gebäude mit einer Brandmeldeanlage ausgestattet.

Die Außenanlagen wurden auf der Südseite mit Grätplatten befestigt und so gestaltet, dass die Fläche für Veranstaltungen genutzt werden kann, ohne den bäuerlich geprägten Charakter des Umfelds zu beeinträchtigen.

Nach Abschluss der umfassenden Sanierung wurde das Kulturhaus 2015 eingeweiht. Heute dient das Gebäude als öffentlicher Treffpunkt und Kulturzentrum für Unterneukirchen. Neben Musikunterricht und regelmäßigen Ausstellungen und Lesungen finden hier die Aktivitäten verschiedener örtlicher Vereine statt. Darüber hinaus beherbergt das Kulturhaus ein heimatkundliches Archiv und eine heimatkundliche Sammlung.

Die Sanierung verbindet damit den sorgfältigen Erhalt eines für die Ortsgeschichte bedeutenden Baudenkmals mit einer lebendigen und zeitgemäßen öffentlichen Nutzung.

Maẞnahmen

  • Bestands- und Voruntersuchung
  • Unterfangung und Erneuerung des Bodenaufbaus
  • Sanierung der Innen- und Außenputze
  • Instandsetzung und Erneuerung der Fenster
  • Instandsetzung des Dachstuhls und Neueindeckung
  • Restaurierung von Böden, Türen und Treppen
  • Innen- und Außenanstriche nach Befund
  • Erneuerung der technischen Ausstattung
  • Gestaltung der Außenflächen